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Marlies Göhr

 

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Bild: Marlies Göhr mit ihrem Trainer Horst-Dieter Hille 1979 Quelle: Bundesarchiv Autor: Liebers, Peter

Bild: Marlies Göhr mit ihrem Trainer Horst-Dieter Hille 1979
Quelle: Bundesarchiv Autor: Liebers, Peter

 

geboren am 21.3.1958 in Gera, als Marlis Oelsner.
Besucht die Kinder- und Jugendsportschule von 1971-78 .
Trainer: Dieter Lehner, Horst-Dieter Hille


 

Sportliche Erfolge:

Jahr Ereignis
dreimal Teiln. an Olymp. Spielen:
1976 Siegerin mit der 4 x 100-m-Staffel u. 8. Platz über 100 m;
1980 Siegerin mit der 4 x 100-m-Staffel u. 2. Platz über 100 m;
1988 2. Platz mit der 4 x 100-m-Staffel;
1977, 1978, 1979,
1982 u. 1983
Siegerin bei den Hallen-Europameisterschaften;
1977, 1979, 1981,
1983, 1985 u. 1987
zwölf Siege beim Europa-Cup jeweils
über 100 m u. mit der 4 x 100-m-Staffel;
drei Siege beim Weltcup:
1977 über 100 m
1985 über 100 m u. mit der 4 x 100-m-Staffel;
1.7.1977 als erste Frau über 100 m unter elf Sek. (10,88 Sek.);
dreimal Teiln. an Europameisterschaften:
1978 Siegerin über 100 m, 2. Platz über 200 m u. 3. Platz mit der 4 x 100-m-Staffel
1982 u. 1986 Siegerin über 100 m u. mit der 4 x 100-m-Staffel;
zweimal Teilnahme an Weltmeisterschaften:
1983 Siegerin über 100 m u. mit der 4 x 100-m-Staffel;
1987 2. Platz mit der 4 x 100-m-Staffel;
1976 – 85 19mal DDR-Rekord u. 14mal WR;
1977 – 88 21mal DDR-Meister
 
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Bild: Marlies Göhr , 2010 zum 55 jährigen Schuljubiläum in Jena

Bild: Marlies Göhr , 2010 zum 55 jährigen Schuljubiläum in Jena

 

OZT vom 02.07.2012

Marlies Oelsner aus Jena lief vor 35 Jahren als erste Frau unter 11 Sekunden

 
Marlies Göhr aus Jena ...
Marlies Göhr aus Jena schrieb gestern vor 35 Jahren in Dresden Leichtathletik-Geschichte. Heute ist sie dem Sport immer noch verbunden. Foto: Jens Henning

Marlies Göhr aus Jena schrieb gestern vor 35 Jahren in Dresden Leichtathletik-Geschichte. Heute ist sie dem Sport immer noch verbunden. Foto: Jens Henning

 



Am Sonntag auf den Tag vor 35 Jahren lief die damals 19 Jahre alte Marlies Oelsner als erste Frau der Welt die 100 Meter elektronisch gestoppt unter elf Sekunden. Bei den 28. DDR-Meisterschaften im Hans-Steyer-Stadion in Dresden verbesserte die Sportlerin des SC Motor Jena die Bestmarke von Annegret Richter (damalige BRD) um 13 Hundertstel Sekunden auf 10,88 Sekunden.

Jena. Vor dem Fabel-Lauf der Marlies Oelsner wurden 1973 zwei 100-Meter-Läufe ihrer Klubkollegin Renate Stecher mit 10,9 bzw. 10,8 Sekunden auch unter elf Sekunden gestoppt. Allerdings waren diese Zeiten nur mit Hand gemessen worden und fanden keine Anerkennung als Weltrekord.

Marlies Oelsner, die nach der Heirat mit dem Jenaer Fußballer Ulrich Göhr als Marlies Göhr noch bekannter wurde, kehrte wenige Tage vor ihrem ganz persönlichen Jubiläum zurück an die Stätte des Weltrekordes. "Es kamen sofort Erinnerungen auf. Für einen kurzen Moment liefen die 100 Meter noch einmal wie im Film vor mit ab." Dass in diesem Stadion insgesamt 13 Weltrekorde in der Leichtathletik aufgestellt worden, davon kann man heute nur noch träumen. Göhr sagte es drastischer. "Ich war entsetzt vom Zustand des Stadions. Es ist richtig runter, es ist mächtig ramponiert." 2002 wurde das Stadion Opfer des Elbe-Hochwassers. Der Versuch, das Stadion bis zur Fußball-WM 2006 in Deutschland WM-tauglich zu machen, scheiterte.

Marlies Göhr verbindet mit dem 1. Juli 1977 einiges. "Das war damals ein Freitag, ich hatte mein Abitur seit acht Tagen in der Tasche." Sie schloss es mit dem Prädikat "gut" ab. Die 10,88 s kann sie sich noch immer nicht richtig erklären. "Vielleicht war es der Druck, unbedingt gewinnen zu müssen. Es war klar, dass nur die DDR-Meisterin international starten durfte." Der Wind passte. Mit 2,0 Meter pro Sekunde herrschten optimale Bedingungen im Stadion. Dabei lief das Jahr 1977 gar nicht so gut für Marlies Oelsner. Beim Olympischen Tag in Berlin hatte sie sich eine Knieverletzung zugezogen. Die Spikes, mit denen sie damals die Welt-Leichtathletik durcheinander brachte, hat sie noch heute. "Die ziehe ich nicht mehr an. Ich sprinte auch heute keine 100 Meter mehr. Ich halte mich vielleicht noch etwas fit mit Radfahren oder Wandern."

Ihr damaliger Trainer Horst-Dieter Hille, der auch Renate Stecher trainierte, soll nach dem historischen Lauf sehr gefasst gewesen sein. Augenzeuge der 10,88 s waren die Jenaer Klubkameradinnen Ingrid Brestrich, die spätere Ingrid Auerswald, als Dritte in 11,29 s und Bärbel Eckert, später Bärbel Wöckel, als Fünfte in 11,39 s.

Fast sechs Jahre hielt die Weltrekord-Zeit bis zum 8. Juni 1983. Da lief Marlies Göhr sogar 10,81 Sekunden. Im Juni 2013 jährt sich dieser Moment zum 30. Mal. Nur Evelyn Ashford (10,79 und 10,76) und Florence Griffith-Joyner (10,49/beide USA) stehen vor ihr in der Weltrekord-Liste.


Jens Henning / 02.07.12 / OTZ

 
 
 
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