»  History  »  40 Jahre KJS
 

Die Geschichte der KJS Bad Blankenburg von 1955 - 1972mainCMS zeigen

 

Erwin Schwarz anläßlich der 40 jährigen Geschichte der KJS

An alle ehemaligen Sportschüler, Lehrer, Erzieher und Mitarbeiter der Internats-Sportschule von Bad Blankenburg und dem Sportgymnasium Jena,

 
die am 29./30. April 1995 d...
die am 29./30. April 1995 den 40. Geburtstag feierten und auch an diejenigen, die leider nicht an diesen Tagen in der Stadthalle von Bad Blankenburg/Thüringen dabei sein konnten. Was wollte ich zur Eröffnung am Abend zu den über 600 Teilnehmern aller Bereiche der Schule sagen? ...

die am 29./30. April 1995 den 40. Geburtstag feierten und auch an diejenigen, die leider nicht an diesen Tagen in der Stadthalle von Bad Blankenburg/Thüringen dabei sein konnten.

Was wollte ich zur Eröffnung am Abend zu den über 600 Teilnehmern aller Bereiche der Schule sagen?

Herr Dieter Petersdorf, Jena, sprach mich später an mit den Worten: „Ich kam in die Stadthalle und eine 'Bienenschwarmatmosphäre' des Begrüßens, der Freude und '... ach, Du bist es ja!' erfaßte auch mich."

So erlebte auch ich es, als ich diesen „Bienenschwarm" von der Bühne aus begrüßen wollte.

Ursel Wötzel (Heinicke), Jena, sagte mir:..... die übersprudelnde Wiedersehensfreude war überwältigend.
Annedore Pisch (Kalwa), Göhren - damals in der Gründerklasse 5 - kam auf mich zu und begrüßte uns: 'Ihr seid ja unsere Muttis im Internat gewesen.'" „Wir", so sagte Ursel, „hatten ja die Verantwortung für die Jüngsten übertragen bekommen."

Da die Familienerziehung für uns in Bad Blankenburg ein ganz wichtiges pädagogisches Element darstellte, war es nach meinen Eröffnungsworten eine Verpflichtung, der Schüler, Lehrer und Mitarbeiter zu gedenken, die nicht mehr unter uns sind. So stehen diese Namen leider für nun schon so viele, u.a. unsere erste langjährige Hausmeisterin Frau Behrend, Herr Kohler, Frau Dix, Frau und Herr Musiol, Herr Helff, Herr Wachsmuth, Herr Bürgstein, Frau Maria Heger - unsere damalige junge Klassenlehrerin der Klassen 12/13, unsere Elternvertreter Herr Mann und Herr Drechsler, unsere ehemaligen Schüler Herbert Mann, Klaus Schäfer, Peter Hanl, Peter Blumert, Dieter Lehner und unser Fechter Frank Teichmann - er starb mit seinen beiden ganz jungen Söhnen bei einem Autounfall in Jena in der Nähe des Sportforums. Wir wollen sie alle nicht vergessen!

 

Wir feierten Geburtstag.

Auch Herr Arnoldt, Meuselbach, war vom Wiedersehen mit Frau Ossada - eine von unseren fleißigen Küchenfrauen - nach über 20 Jahren so ergriffen, daß er ihre Hand so fest drückte und verletzte, daß Angelika Striegler, heute Frau Dr. Prehn, Berlin, sofort „Erste Hilfe" leisten mußte.

Harald Prystaw, Lehnin, wirbelte mich mit seiner unbändigen Kraft durch die Luft, so daß ich blaue Flecke bekam.

Was wollte ich nun sagen? Ich bemerkte natürlich die große Wiedersehensfreude des über 600-Mann-starken „Bienenschwarms", und von meinem Sohn bekam ich außerdem mit auf den Weg „Sprich bitte nicht so lange!" Unter dieser Atmosphärensituation und den unmöglichen schlechten Beschallungsbedingungen verzichtete ich auf meinen Stichpunktzettel. Doch gesagt habe ich allerdings, daß ich mich riesig freue, Euch bzw. Sie nach 20/30/35 oder gar fast 40 Jahren wiederzusehen.

Besonders begrüßte ich unsere Gründungsklassen und die Lehrer und Mitarbeiter des Jahres 1955.

Ich hieß natürlich herzlich willkommen auch alle ehemaligen Sportschüler und Kollegen aus N/O/S/W und die Lehrer und Schüler vom Sportgymnasium Jena, die nach Bad Blankenburg gekommen waren.

Werner Seidel, Gera, fragte mich im Verlaufe des Abends: „Haben Sie eigentlich bemerkt, wie hübsch unsere kleinen Mädel als junge Frauen geworden sind?" -„Natürlich, ich habe ja zwei Augen" sagte ich. Aber auch unsere Jungen bzw. nun jungen Männer haben zum größten Teil die sportliche Figur und das Gewicht gehalten, nur sind bei etlichen „Bärte" dazu gekommen. Stolz bin ich auf fast alle. Roland Koburger, Jena, sagte mir.....als ich Sie nach so vielen Jahren auf der Bühne sah und die ersten Worte von Ihnen hörte, lief es mir den Rücken runter."

Grüße sollte ich bestellen - und tat es - von Gerd Stecher, Jena, der mit doppeltem Beinbruch das Bett hüten mußte und von Erwin Kaldarasch.aus Dubai - ausgerichtet von Lilo Dimitroff (Markel), Künzel - die Erwin in Dubai traf.

Natürlich wollte ich in meinen Begrüßungsworten erinnern an die ersten Stunden, Tage und Wochen im Januar 1955 und an spätere Ereignisse. Ich verbinde nun vieles mit Gedanken, die mir beim Schreiben dieser Zeilen kommen.

Nachdem ich bereits einige Jahre zuvor Vorbereitungsarbeiten zur Gründung der KJS in Erfurt durchgeführt hatte, bekam ich im Oktober 1954 den Auftrag, alle Maßnahmen einzuleiten für eine Sportschule mit Internat in Bad Blankenburg, mit der Zielsetzung des Unterrichtsbeginns um den 3./4. Januar 1955.

 

Ja, dann kamen die Tage der Anreise der ca. 90 Schüler in Bad Blankenburg - Eröffnung im Transportgummiwerk von Bad Blankenburg - erste Unterrichtsstunden in den Räumen des Internats in der Straße der Jugend - die ersten Sportstunden u.a. im kleinen Saal der Stadthalle - die ersten Leichtathletik-Wettkämpfe in Rudolstadt, Freyburg, Jena, Zschopau, Gera und natürlich Bad Blankenburg - die ersten Wettkämpfe der Turner in Rudolstadt, Forst, Nordhausen, alle im Jahre 1955.
Die erste Nummer unserer Schulzeitung .Die Brücke" wurde bereits im Dezember 1954 und die Nummer 2/3 und 4 wurden bis Dezember 1955 herausgegeben. Die letzte Schulzeitung war die Nummer 47 vom Dezember 1967 - auf höhere Weisung wurde eine Fortsetzung unverständlicherweise verboten.
Die Herausgabe des ersten sportlichen „Leistungsspiegel" erfolgte auch schon 1955.

Erinnern wir uns weiter:

 

- Wintersportmeisterschaften in Barigau - Bezirksmeisterschaften dann in Lobenstein - dreimal Meister im Rodeln (Einer/Doppel/gemischtes Doppel), Heidemarie Käßmann - Meisterschaften im Tischtennis in Rudolstadt, Klaus Erdmann - im Schach, Rainer Wollny - schon 1955 Gruppenausscheid in der Leichtathletik gegen Nordhausen, Hettstedt und Meiningen, im Turnen dann 1956 gegen Halle, Leipzig und Meiningen - Bestenermittlung aller Sportschulen im April - DDR-Bester der Mädchen A unsere Mannschaft, Irene Binder Einzelsieger - Mai dann in Greiz: DDR-Meister dieselbe Mannschaft und Irene wieder Sieger und 1957 gleiche Plazierung - Bildung einer Segelfliegergruppe - Gruppenausscheid 1956 im Schwimmen!! gegen Leipzig, Halle und Meiningen. 2. Plätze belegten J. Luft, G. Hoffmann, W. Polack, 3. Plätze: Br. Richter und G. Hoffmann - Teilnahme an den Sprach- und Mathematik-Olympiaden in Gera und Rudolstadt mit sehr guten Ergebnissen unserer Schüler - Teilnahme am Schulwettbewerb in den Fächern Biologie, Russisch, Deutsch und Mathematik gegen die Sportschule Erfurt, mit Vorteilen für uns.
Erinnern wir uns weiter
an die Winterlager u.a. in Oberhain, Oberhof, Siegmundsburg, Stützerbach - an die Vorführungen unseres Sportensembles .Wir singen, turnen und tanzen für Euch" u.a. in Jena, Rudolstadt, Gera, Unterwellenborn und Dittrichshütte - an den ersten Meistertitel der LA der männlichen Jugend B im Stabhochsprung durch Kurt Mocker 1957 - bereits 1956 DDR-Bestleistung von Alexander Knoll im Weitsprung und Dieter Lehner im Fünfkampf der männlichen Jugend B - an das Jahr 1960, Deutscher Jugendmeister im Turnen wurden: Annedore Kalwa am Stufenbarren, Angelika Striegler im Bodenturnen, Elke Meißner im Achtkampf - an die Geburtstagsfeiern im Internat - die Einführung der Selbstbedienung - den Zimmerwettbewerb - an die Familienerziehung, die Mitverantwortung - an die Kommissionsarbeit u.a. Kultur, Sportgeräte, Werkraum, Küche, Bücherei, Foto, Leichtathletik-Platz und Rundfunk - die Arbeitseinsätze: Internat, Sauna, Freilichtbühne, Turnplatzbau und Bau des neuen Internats.

 

Denken wir an die jährlichen Fußballspiele oder Schachwettkämpfe Lehrer gegen Schüler - an die nicht endenwollenden Tischtennisspiele - an die turbulenten Handballspiele in der Stadthalle von Bad Blankenburg, Vizemeister 1965 im Endspiel gegen den SC Aufbau Magdeburg - an die Besuche u.a. von Dr. Peltzer, Weltrekordler über 800, 1000 und 1500 m der Jahre 1926/27 und Nurmibezwinger, von Christa Stubnik oder Erika Zuchold - oder der englischen, französischen und polnischen Journalisten. Erinnern wir uns: an die Besuche unserer 10. Klassen und Abiturklassen in der Kulturstadt Dresden und die Theater- und Konzertbesuche in Rudolstadt - an das Ringen mit den amtlichen Stellen um die Einführung der Sprachen Latein und Französisch auch an unserer Schule - an die Abschlußprüfungen der Klassen 10 und der Abiturklassen mit oftmals sehr guten Prädikaten - an die Abschlußbälle mit der bekannten „Paggen/Internatsbowle” garantiert alkoholfrei - an die vielen Tanzstunden der einzelnen Klassen - an die Teilnahme eines Schülers der Klassen 11 bis 13 an den Pädagogischen Räten unserer Schule - an die sehr frühe Einrichtung von Fachkabinetten in vielen Fächern durch großen Einsatz und viele kreative Gedanken der Fachlehrer - an den Verpflegungssatz besonders in den Jahren 1955 bis 1962, unser Kampf um die ständige Erhöhung der Verpflegung - an die vielen Gruppen- und Endausscheide der Sportschulen u.a. in Berlin, Güstrow,Halberstadt, Dresden, Leipzig oder Erfurt - an die jährlichen Hallenwettkämpfe in Magdeburg - an die Fahrten mit Lastwagen, Zug oder Bus, und den Gesang bis wir heiser wurden • an unseren Ruf bei den Siegerehrungen nach den Wettkämpfen
„Bad Blankenburg - ja!"

- an die Ehrung "Beste Kinder- und auch „Beste Jugendsportschule", wohlgemerkt immer unter den ca. 20 Sportschulen als zahlenmäßig kleinste - an die ersten internationalen Wettkampfeinsätze 1961 von Elke Biesel (Meißner) im Turnen und im selben Jahr in der LA von Christian Voigt 110 m Hürden, Ursula Konhäusner 80 m Hürden, Gisela Stapf im Hochsprung - an die Überreichung der Ehrennadel der Schule an Lehrer, Mitarbeiter und Schüler - an die Verleihung des Pokals für den „Besten Kinder- bzw. Jugendsportschüler" unserer Schule - Anerkennung aller sportlichen Leistungen unserer Schüler, auch wenn sie keine vorderen Plazierungen erreichten, besonders aber wenn sie ihre persönlichen Leistungen verbesserten und auch ihres Einsatzes als Übungsleiter, Kampfrichter und Helfer bei Wettkämpfen - an die Aufnahme der Sportdisziplinen Ringen und Fechten an unserer Schule - an die Durchführung nationaler Jugendmeisterschatten der Leichtathleten und internationale Wettkämpfe der Turner in Bad Blankenburg, für beide Sportarten Ausdruck der fundierten Fachkenntnisse unserer Sportlehrer und der sportlichen Erfolge unserer Sportschüler.

Erinnern wir uns weiter - an die Weihnachtsfeiern vor Abschluß des Jahres an bunt gedeckten Tischen und an den Weihnachtsmann - aber auch an das Schuhe putzen zum Nikolaustag, und einmal hatten die älteren Jungen fast alle 200 Schuhe zu einem Knäuel zusammengebunden - an viele bekannte und sicherlich sehr viele unbekannte Streiche, auch intelligente, die Mädchen machten da keine Ausnahme

an die oftmaligen Auftritte unserer Lehrer und auch Schülerkapelle bei Veranstaltungen - an den 5 Jahrestag, aber besonders den 10 und 15. Jahrestag der Schule, gefeiert hier in der Stadthalle mit der bekannten Jenenser Jazz-Band Oldtimer und unserer Bad Blankenburger Hauskapelle „Trapona" - an die Teilnahme unserer Sportschüler an Meisterschaften, internationalen Wettkämpfen, Europa- bzw Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen.

An die Vorbereitung der Übung zum Turn und Sport Fest mit 1700 Schülern aus allen Sportschulen in Bad Blankenburg und die Vorführung mit vielen neuen Elementen der Turner und Leichtathleten beim IV. Turn u.Sport Fest in Leipzig, die große internationale Anerkennung fand.

An unsere Krankenschwestern Jutta, Ursel und Hannelore Dank Sie waren die guten Geister der „schnellen Gesundung" ihrer Patienten - an die Geheimnisse, die mir persönlich bzw uns Lehrern und Erziehern anvertraut wurden - an den Abschied beim Verlassen unserer Schule und des Internats nach den Abschlußprüfungen der 10. oder 12./13. Klassen.
Ein Wiedersehen vielleicht beim Klassentreffen oder anderen Anlässen oder gar nie mehr?


Wir, die wir in Bad Blankenburg blieben, sagten sehr traurig Adieu, macht's gut -
Lebwohl!

Das alles wollte ich sagen, zu viel, vielleicht zu wenig nach 20/30 oder gar 40 Jahren? Nur ein Mosaik der Erinnerung - nicht chronologisch und kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Von 1955 bis 1972 sind nun um die 1000 Schüler in Bad Blankenburg durch meine Schule gegangen, trotzdem sind alle etwas geworden. Ich habe viel an dieser Schule und besonders auch von meinen Schülern gelernt. Ja, um mit einem Wort von Bertolt Brecht zu sprechen:

„Die kein anderes Leben außer dem ihrigen fördern, leben nur ein schwaches Leben."

Das Leben ging aber weiter - Umzug der Schule von Bad Blankenburg nach Jena.

Vor fast 10 Monaten hatte ich dann die erste Tuchfühlung mit dem Direktor des Sportgymnasiums Jena, Herrn Rösner. Nach unseren Absprachen wurde dann folgendes perfekt:

Der 40. Geburtstag mit Gästen des Sportgymnasiums Jena Ende April 1995 in Bad Blankenburg - und die Festwoche des Sportgymnasiums Jena mit Namensgebung „Johann Chr. Fr. GutsMuths" Anfang Mai in Jena, mit Gästen von Bad Blankenburg.

Erwin Schwarz

 
 
 
Impressum | Kontakt | Seitenübersicht | mainCMS