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Erinnerungen

 

Geprägt haben unsere Arbeit die Leidenschaft zur Sportart Gerätturnen und das Wollen, aus dem turnerisch noch unbekannten Bad Blankenburg einen sportlich ernstzunehmenden, leistungsstarken Gegner für die „großen" Sportschulen der ehemaligen DDR zu entwickeln. Ein arbeits- und ideenreicher Weg mußte begangen werden, um dieses Ziel zu erreichen.

Unsere fachliche Arbeit wurde von Beginn an wirkungsvoll unterstützt und mitgetragen durch eine enge Verknüpfung der Sportlehrer mit Lehrern, Erziehern und dem Personal. Kollegen aus dem Schulbereich wurden in den Prozeß der Leitung der Fachgruppe Gerätturnen, der Vorbereitung und Durchführung von Wettkämpfen und der kulturellen Gestaltung des Abteilungslebens einbezogen und nahmen damit unmittelbar Einfluß auf die sportliche Gesamtentwicklung unserer Turnerinnen und Turner.

Stellvertretend seien genannt:

Herr Lothar Buchner, Herr Peter Chamier, Herr Theo Helff (verst.), Herr Dr. Manfred Hennig, Herr Manfred Leutelt

Diese betont ehrenamtliche Arbeit, das Miteinander waren der Grundstock für die sich stetig entwickelnden turnerischen Leistungen in diesen Anfangsjahren.

Es gehörte schon eine große Portion Idealismus dazu, um aus den völlig unzureichenden materiell-technischen Trainingsbedingungen Spitzensport zu produzieren.

Die Schule verfügte anfangs über keine eigenen Sportstätten. Ein ehemaliger Speiseraum der Landessportschule Thüringen und die nicht heizbare Turnhalle der Stadthalle waren die ersten Trainingsstätten für unsere Schule. Die Rolle eines Gastes war auch nach dem Bau der Turnhalle an der POS „Friedrich Fröbel" (1957/58) nicht beendet. Nur im zähen Ringen wurde aus der Schulturnhalle (10 x 18 m) und der Aula auf kleinstem Raum - den damaligen Vorstellungen entsprechend - eine „echte", moderne Trainingsstätte geschaffen.

Zum größten Teil in Eigenleistungen, mit Hilfe und eigenschöpferischer Arbeit der Sportlehrer und großem Einsatz unserer Schüler, entstanden:

- eine Kombination von Reck- und Badutengrube

- stationäre Balkenanlagen im Vorraum der Aula

- Spiegelwände und Ballettstangen • eine Akrobatik-Bahn

- ein Kraftraum im Turnhallen-Eingangsbereich

- vielfältige Longenanlagen und Hilfsgeräte
- der erste „Turn-Pilz" überhaupt

- eine Stufenreck-Kombination auf der Bühne der Aula

- und nicht zuletzt wurde der Geräteraum für das Training am Pauschenpferd (genannt „Pferde-Stall") umfunktioniert

Somit entstanden im kleinen, abgeschiedenen Bad Blankenburg fast schon optimale Bedingungen für das Training unserer Turnerinnen und Turner, um die uns viele Sportschulen beneideten.

Nicht unerwähnt bleiben darf in diesem Zusammenhang der eigens hinter dem Schulinternat geschaffene Turnplatz (1958). In Eigenleistungen gebaut, entstand eine komplette Freizeit-Trainingsstätte mit einer Reck-Strohgrube als besonderem, sehenswerten Blickpunkt. Hier konnten Experimente gestartet und schwierige Reckabgänge und Übungsverbindungen in gezielt „spielerischer Form geübt bzw. vorbereitet werden.

Kurz, die einfachen, aber wirkungsvollen äußeren Bedingungen in Turnhalle und Freigelände schufen eine Lern-Atmosphäre, in der sportliche Erfolge nicht ausbleiben konnten. Unser späterer Meisterturner Bernd Jäger gestaltete hier seine ersten Lernschritte zur Eröffnung einer neuen Reck-Ara der Turnwelt mit der Kreation seines „Jäger-Saltos", der nunmehr in vielen Variationen im „Coud de Pointage" Einzug gehalten hat.

Mit dem Umzug nach Jena (1972) entstand eine hochmoderne Trainingsstätte, die allen Ansprüchen für ein Leistungstraining gerecht wurde. Und somit bestehen auch weiterhin beste Voraussetzungen für die Entwicklung unserer Sportart in Thüringen.

Neue Wege der Talentsichtung sicherten uns, bis zur Schaffung der Trainingszentren (TZ), den vorerst quantitativen Zulauf neuer Schüler. Mit einem eigens zu diesem Zweck geschaffenen Wettkampfprogramm entstand das „Bad Blankenburger Schüler-Turnfest" (1957), das später als „Werner-John-Turnen" weitergeführt wurde, ein für unsere Schulen im Ostthüringer Raum attraktiver Wettkampf, der durch diese Schulen angenommen und uns jährlich den Zulauf interessierter und talentierter Jungen und Mädchen der 4. und 5. Klassen sicherte.

Es gehörte zum Grundanliegen unserer Tätigkeit, auch weniger talentierten Schülern die Liebe zum Sport und zur Sportart Turnen zu erhalten. Der Ausbildung dieser Gruppe von Schülern zu Übungsleitern, Helfern oder Kampfrichtern maßen wir große Bedeutung bei.

Das gesamte Team unserer Turnlehrer mit den vielen ehrenamtlichen Helfern und Mitstreitern, in das auch die Familienmitglieder einbezogen wurden, bewährte sich immer wieder aufs Neue bei der Gestaltung und Durchführung attraktiver turnsportlicher Wettkämpfe. Angefangen mit der Organisation des Länderkampfes der Junioren DDR-Jugoslawien (1962) in Bad Blankenburg, über die DDR-Meisterschaften der Meisterklasse (1982) in Jena, die ungezählten internationalen Wettkämpfe mit Mannschaften aus den ehemaligen Ost-Ländern (Bulgarien, SU, Rumänien, CSSR und Polen) bis hin zum Internationalen Traditions-Turnier der Junioren um den „Jena-Pharmaca-Pokal" gab es hervorragende turnsportliche Kost, die damit einem großen Kreis interessierter Turnfreunde im jeweiligen Territorium erschlossen wurde.

Auf dem Weg späterer Meisterschaften dürfen die ab 1955 jährlich durchgeführten „zentralen Sportfeste der KJS" Güstrow, Rostock, Halberstadt, Dresden, Magdeburg und Erfurt nicht unerwähnt bleiben. Gerade hier haben sich viele unserer Schüler der Anfangsjahre ihre ersten Sporen im Wettkampf verdienen können und damit auch zur Auszeichnung der Schule als

„Beste Turnschule"

beigetragen.

Damit entstanden auch ein gesunder sportlicher Ehrgeiz und Zusammenhalt der Schüler mit ihren Lehrern, der bis in unsere Tage gehalten hat. Hier wurde auch unser „Schlachtruf"

„Bad Blankenburg - ja!"

geboren.

Dank an dieser Stelle unseren Turnerinnen und Turnern der Gründerjahre, die durch ihre Einsatzfreude und Begeisterung den nachfolgenden Jahrgängen zum Vorbild wurden:

 
 Jahr    Ereignis
  
1956   DDR-Schüler-Mannschaftsmeister - Mädchen
Irene Binder (Mannschafts- und Einzelmeister)
Helga Musewald
Renate Dietz Ursel Große
Brigitte Kischnik
  
1957 DDR-Schüler-Mannschaftsmeister - Mädchen
Irene Binder (Mannschafts- und Einzelmeister)
Bärbel Trentsch
Annedore Kalwa
Ursel Wackernagel
Christine Capelle
  
1957 DDR-Schüler-Mannschaftsmeister - Jungen
Peter Luft
Wolfgang Puffe
Dieter Rödiger
Günter Kosariszczuk
  
1958 Deutscher Mannschaftsmeister - Weibliche Jugend
Sigrid Gräf
Irene Binder
Renate Dietz
Ursel Grosse
Ingrid Hirschmann
Uta Stahl
  
1958 Deutscher Mannschaftsmeister - Männliche Jugend
Ralf Scheffel
Horst Steiniger
Peter Luft
Werner Seidel
Peter Blumert
Klaus Dielforder
 

Harry Pippardt, Wolfgang Gipser


Entnommen aus der "Die Brücke" Sonderausgabe der Schulzeitung der ehem. KJS Bad Blankenburg/Jena und des heutigen Sportgymnasiums Jena Johann Chr.Fr. GutMuths zu ihrem 40. Geburtstag

 
 
 
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