Startseite > Zum Glück
 

Auch ich war Schüler in Bad BlankenburgmainCMS zeigen

 

( 1957 - 1964 ) Zum Glück !!!

Natürlich könnte ich schreiben vom heimlichen Rock and Roll im Klubraum nach Radio Luxemburg, wo einer an der Tür Schmiere stehen mußte. Oder vom splitternackten Sitzen auf dem Fensterbrett nach Beginn der Nachtruhe (machte sich im Winter sehr gut), um durch eine mögliche Erkältung dem Schreiben einer Schularbeit zu entgehen. Klappte allerdings meistens nicht, wir waren einfach zu gesund. Oder von meiner heimlichen Verlobung mit Herbert, meiner ersten Liebe, der deswegen vom Internatsschüler zum Fahrschüler degradiert wurde. Oder unseren ständigen Rechtfertigungen vor „Tschorni" wegen jeder schlechten Note. Nicht zu vergessen die Schüsseln Wasser, die die Insassen des Zimmers unter uns - besonders Joachim Kirst und Roland Coburger - erleiden mußten. Oder die Sprints von der Schule ins Internat, um im Kampf um die Tischtennisplatte der Erste zu sein. Auch läuft mir das Wasser im Munde zusammen, wenn ich an die köstlich gerösteten Brotscheiben denke, die wir einfach im Winter an die Ofentür klebten.

Doch für mich war Bad Blankenburg viel, viel mehr, nämlich eine Schule, der ein Direktor vorstand, der für mich zum richtigen Zeitpunkt sein großes menschliches Herz öffnete und eine für mich zukunftsweisende Entscheidung fällte.

Was war passiert?

Kurz vor Beginn der 8. Klasse hatte ich einen schweren Fahrradunfall, Kreuzbandriß am linken Bein. Es folgten vier Wochen Krankenhaus und ein niederschmetterndes ärztliches Urteil: Das Bein bleibt steifl Ich hatte im Krankenhaus sehr oft aus Verzweiflung ins Kissen gebissen und geweint, da ich mir ein Leben ohne Sport nicht vorstellen konnte. Viele machten mir Mut, so natürlich auch meine Trainerin, Ingrid Kleppe. Sie gab mir ein Buch mit dem Titel: Wille versetzt Berge, in dem beschrieben war, wie z.B. die Sportlerin Lena Stumpf sogar nach einer Kinderlähmung Weltmeisterin im Fünfkampf der Leichtathletik wurde.

Doch da war das Urteil des Arztesl

Schweren Herzens fuhren meine Eltern nach Bad Blankenburg, um Herrn Schwarz mitzuteilen, mich von der Schule zu nehmen, denn mit einem steifen Bein konnte man ja keine Rekorde mehr brechen.

Es ist unglaublich, Erwin - wir sind heute per Du - er hatte gerade einen Strauß Blumen bekommen, die er nervös zerpflückte, sagte für mich den alles entscheidenden Satz: „Egal was passiert, die Romi macht hier in Bad Blankenburg ihr Abitur!"
Das war die Entscheidung vom Krüppel zur späteren Sportlehrerin. Niemals habe ich zu Hause so ernsthaft trainiert und die Vorteile der Unterwassermassage genießen können. Nach anfänglichem „Hinterherhumpeln" hatte ich nach einem Jahr das Laufen wieder gelernt und konnte von der Ausweichsportart Diskus wieder in den Fünfkampf einsteigen. Nach zwei Jahren gewannen wir die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft im Mehrkampf.

Natürlich hat mich das alles zu einer starken Persönlichkeit gemacht. Ich weiß, ich kann fast alles erreichen, wenn ich nur will!

Sportler können kämpfen, sie schmeißt auch eine Niederlage nicht um.

Erwin, danke für alles, daß ich heute ein optimistischer, lebenslustiger Mensch bin, der besonders gerne tanzt (darauf hätte ich mit steifem Bein verzichten müssen) und mit beiden Beinen im Leben steht, das verdanke ich Deiner humanen Entscheidung.

Romi Weih geb. Brückner
(1995)

 
 
 
Impressum | Kontakt | Seitenübersicht | mainCMS