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Ein Leben für das Turnen

Wolfgang Gipser wurde am 15...
Wolfgang Gipser wurde am 15.09.1935 in Greiz geboren. Nach der damals üblichen Grundschulzeit begann er eine Lehre als Textilfarbmacher für Film-u.Maschinendruck, die er erfolgreich beendete. Schon im Grundschulalter entdeckte er seine Liebe zum Turnen und besuchte regelmäßig...

Wolfgang Gipser wurde am 15.09.1935 in Greiz geboren. Nach der damals üblichen Grundschulzeit begann er eine Lehre als Textilfarbmacher für Film-u.Maschinendruck, die er erfolgreich beendete. Schon im Grundschulalter entdeckte er seine Liebe zum Turnen und besuchte regelmäßig die Übungsstunden der dortigen Sportgemeinschaft.

Dabei spielte sein damaliger Sportlehrer Albin Lätzer ,später prominenter Turntrainer in Leipzig, eine wichtige Rolle. Das Turnen in Greiz hatte eine große Tradition und war auch in der Familie von Wolfgang Gipser tief verwurzelt. So darf auch der Name Kurt Rödel im Zusammenhang mit der Greizer Turntradition nicht vergessen werden. Schon in jungen Jahren errang Wolfgang seine ersten Erfolge im Gerätturnen.


Als Jugendturner konnte er 15 Einzeltitel erringen und wurde schnell über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Sein bis dahin sicherlich größter Erfolg war ein 2.Platz am Pferd-Sprung bei den DDR-Meisterschaften 1953, als gerade mal 17-jähriger.

Folgerichtig führte ihn sein Weg 1954 zum Armeesportklub Potsdam. Dort konnte er mit leistungsstarken Turnern der DDR trainieren und seine bereits beachtlichen Leistungen immer weiter steigern.Bekannte Namen wie Günter Nachtigall, Werner Drescher, Paul Müller (groß u.klein), Gottfried Stark , Richard Karstedt als Trainingspartner, sowie der legendäre Trainer Rolf Bauch sorgten dafür, dass Wolfgang bald ebenbürtige Leistungen vollbrachte.
So konnte er bereits 1955 mit 19 Jahren den Sprung in die Nationalmannschaft der DDR schaffen.

 
Parallel zur leistungssport...
Parallel zur leistungssportlichen Entwicklung konnte Wolfgang mit einem postgradualen Studium an der Pädagogischen Hochschule Potsdam die Grundlage für seine spätere berufliche Tätigkeit legen. Auf internationaler Ebene ist die erste Teilnahme an einer Europameisterschaft 1...

Parallel zur leistungssportlichen Entwicklung konnte Wolfgang mit einem postgradualen Studium an der Pädagogischen Hochschule Potsdam die Grundlage für seine spätere berufliche Tätigkeit legen.

Auf internationaler Ebene ist die erste Teilnahme an einer Europameisterschaft 1957 in Paris und dort das Erreichen eines 5.Platzes im Sprungfinale zu berichten. Weitere Erfolge sind mit dem Erringen des 12 - Kampf - Meistertitels 1957, sowie des hoch dotierten Kurt - Rödel - Pokals zu nennen.

Auch stellte die Teilnahme an den Weltmeisterschaften1958 in Moskau einen weiteren Höhepunkt seiner Laufbahn dar. Leider konnte die im Vorfeld hoch gehandelte Mannschaft der DDR in Moskau nur den 7.Platz belegen.

Insgesamt hat Wolfgang Gipser 11 Meisterschaftsmedaillen im Meisterbereich erkämpft. Bedauerlicherweise verlief die turnerische Entwicklung von Wolfgang Gipser nicht immer kontinuierlich und wurde von 2 z.T.s chweren und langwierigen Verletzungen gestört.So erlitt er u.a.1955 eine Achillessehnenruptur und 1956 eine Halswirbelfraktur. Aber mit der ihm eigenen Härte und Zielstrebigkeit konnte er zu seinem vorherigen Niveau wieder aufschließen und die o.a. Erfolge erreichen.

 

Für seine sportlichen Leistungen wurde Wolfgang Gipser 1958 mit dem Titel „Meister des Sports” ausgezeichnet.
1961 beendete er seine turnerische Laufbahn anlässlich eines Clubvergleichskampfes in China und begann 1962 als Sportlehrer an der KJS Bad Blankenburg seine berufliche Entwicklung. In den Folgejahren konnte Wolfgang sein postgraduales Studium erfolgreich beenden und danach mit weiteren Maßnahmen postgradualer Art an der Deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig den Titel „Diplomsportlehrer für Leistungssport” erlangen.

In Bad Blankenburg traf er u.a. auf Harry Pippardt als Fachgruppenleiter, sowie Gertrud Bürgstein und Erika Kürschner (später verh.Kröplin), die in den vergangenen Jahren die Qualitätsgrundlage der Bad Blankenburger Turnschule gelegt hatten. 1963 kam Dieter Horn als erster ehemaliger Schüler und Fritz Böhm, 12 - Kampfmeister 1958, als personelle Verstärkung der Turnsektion hinzu.
Mit Bernd Jäger, den er als 14-jährigen aus der Trainingsgruppe Horn übernahm, startete Wolfgang Gipser seine bemerkenswerte Trainerlaufbahn.

So wurde in gemeinschaftlicher Denkarbeit mit Bernd Jäger die Idee zum späteren Tsukahara am Reck geboren. Dieses Element wurde von Bernd Jäger anlässlich eines Turnländerkampfes Sowjetunion-DDR 1971 in Dessau uraufgeführt, aber international anerkannt wurde es erst 1972 in München durch die Darbietung von Mitsuo Tsukahara (Japan).
Dafür wurde Bernd Jäger mit der erstmaligen internationalen Darbietung des Grätschsalto zur WM 1974 in Varna in die Annalen der Turngeschichte unter dem Namen „Jägersalto” aufgenommen und hat damit die Aera der Flugelemente am Reck eingeleitet.
Unter der Leitung von Wolfgang Gipser entwickelte sich Bernd Jäger zu einem der besten Jugendturner der DDR.
So wurde er schon 1967 im Mehrkampf Zweiter und DDR-Meister seiner Altersklasse (Jugendklasse II) am Boden und am Barren.
1968 in der Jugendklasse I ebenfalls 2. im Mehrkampf, sowie am Barren und Boden und DDR-Meister am Reck. Auch schaffte er es in die Mannschaft für den international hoch bewerteten Jugendwettkampf „Turnier der Freundschaft”. Dort konnte er neben 3. Plätzen im Mehrkampf und am Pauschenpferd, den Sieg am Reck erringen. Diese persönlich erfolgreiche Phase von Wolfgang Gipser als Trainer wurde von Seiten der Sportführung der DDR nun einer schwerwiegenden Prüfung unterzogen, worauf nachfolgend noch eingegangen wird.
Zunächst muss kurz auf die Rolle des DTSB und seinen Einfluss auf die Kinder- und Jugendsportschulen eingegangen werden. Seit Bestehen der Schule war die Zugehörigkeit zu einer Sportgemeinschaft die Voraussetzung für die Teilnahme an Wettkämpfen. Auch materiell ging der Bedarf des Sports über das Maß und die Möglichkeiten des zuständigen Volksbildungsministerium hinaus. So waren anfänglich die SG Dynamo Rudolstadt und später die SG Dynamo Dittrichshütte als Namensgeber zu den Wettkämpfen aktiv.

Zunehmend verstärkte dann die Dynamozentrale von Berlin ihren Einfluss auf die Kinder- und Jugendsportschule. Das geschah in etwa bis zum Jahre 1961. Hier griff die DTSB-Führung bremsend in diese Entwicklung ein und ordnete diese Schulen den territorial zuständigen Sportklubs zu, in unserem Falle dem SC Motor Jena. In der Folgezeit wurden den Schulen Clubtrainer unterstützend zugeordnet und die Cheftrainerstellen eingerichtet. Bei uns waren das die Trainer Heinz Pehlke und Otto Spindler vom Club in Jena.

Die zunehmende Steuerungsfunktion des DTSB bzw. des Turnverbandes mit Hilfe von Cheftrainern führte zu dem für Wolfgang Gipser fast alternativ losen Angebot,zukünftig als Cheftrainer zu arbeiten. Vorher konnte er einer Versetzung zum SC Chemie Halle noch ausweichen, was auch die Aufgabe seines Greizer Wohnsitzes bedeutet hätte.

In diese Zeit (ca.1971)fällt auch die perpektivische Ausrichtung eines anstehenden Standortwechsels des Schulteils Turnen an den Ort des zuständigen Sportclubs Jena. In Jena war gerade eine moderne Sporthalle im Bau, welche ideale Voraussetzung zur Verbesserung der mittlerweile nicht mehr ausreichenden Trainingsbedingungen bot. Da generell die Verlegung aller betreffenden KJS an die Sportclubzentren vorgesehen war,wurde im Konsenz von Schule und SC der vorgezogene Umzug des Schulteils Turnen nach Jena ab 01.08.1972 beschlossen.

Für Wolfgang Gipser bedeutete das, als Cheftrainer arbeitsrechtlich zum DTSB zu wechseln, was er dann auch nach schwierigen, aber alternativlosen Überlegungen realisierte. Das Angebot des Wechsels zum DTSB erging auch an alle anderen bis dahin an der Schule angestellten Sportlehrer und wurde mit Ausnahme von Ursel Hindenberg und Dieter Horn wahrgenommen.

Zukünftig wurden die Trainer nur noch vom DTSB eingestellt. Mit großem Bedauern musste Wolfgang Gipser akzeptieren, dass er nunmehr nur noch sehr eingeschränkt „am Mann in der Halle” arbeiten konnte und jetzt der Schreibtisch vorrangig sein Arbeitsfeld war.
Unter seiner Leitung gelang es der Sektion Turnen des SC Motor Jena,beachtliche Erfolge zu erringen und mit der Organisation von nationalen und internationalen Großveranstaltungen dem Turnen in Jena Achtung zu verschaffen.

Wolfgang gehörte auch über viele Jahre zum Kampfrichterstab der DDR und brachte es laut seinem Kampfrichterbuch auf weit über 300 Einsätzen,die ja auch meistens ein geopfertes Wochende bedeuteten.

Über 4 Olympiazyklen war Wolfgang Gipser auch international im Einsatz,was den Erwerb des internationalen Kampfrichterbrevet zur Voraussetzung hatte. Wechselnde Maßnahmen bezüglich der Schwerpunktsetzung zwischen männlichem und weiblichen Bereich und wechselnden Vorgaben der Delegierung zu den Schwerpunktsportklubs erschwerten teilweise eine kontinuierliche Arbeit.

Mehrere Turnerinnen und Turner, die in dieser Zeit ihre turnerische Grundausbildung in Jena erfahren haben, konnten sich nach ihrer Delegierung in andere Schwerpunktclubs noch einen Namen machen.

Stellvertretend sei hier nur Thomas Knüpfer genannt, der, trainiert von Dieter Petersdorf, als letzter DDR-Meister am Reck geführt wird. 1989 erfolgte auf Grund gesundheitlicher Probleme ein Cheftrainerwechsel und Wolfgang Gipser arbeitete dann noch bis 1991 als Methodiker.

Mit der politischen Wende brachen für das Turnen schwierige Zeiten an. Die Sportclubs wurden aufgelöst, die meisten Trainer entlassen, Wolfgang Gipser wurde zur Annahme einer Altersübergangsregelung gedrängt.

Auch nach seinem beruflichen Ausscheiden war Wolfgang Gipser noch vielseitig ehrenamtlich im Einsatz. So fungierte er mehrere Jahre als Vizepräsident für Sport im neugegründeten Thüringer Turnverband. Unter anderem war er hier maßgeblich an der Organisation der beiden Landesturnfeste in den Jahren 2000 und 2007 beteiligt.Danach schied Wolfgang aus den Leitungsfunktionen aus und wurde zum Ehrenmitglied des Thüringer Turnverbandes ernannt.

In seiner langjährigen beruflichen und ehrenamtlichen Tätigkeit ist Wolfgang Gipser mit vielen Auszeichnungen für seine Arbeit geehrt worden.So u.a.mit der höchsten Auszeichnung des Thüringer Turnverbandes,der Christian Gotthilf Salzmann - Medaille in Gold und von Seiten des Deutschen Turnerverbandes der DDR mit der Ehrenplakette in Gold. Der Deutsche Turnerbund (DTB) ehrte Wolfgang mit der Friedrich Ludwig Jahn Medaille in Silber.

 
Bild: Wolfgang  Gipser 2010...

Bild: Wolfgang Gipser 2010

Sein Ruhestandsleben bereichert Wolfgang mit vielen Hobbys und Interessen.So liebt er die Beschäftigung mit Blumen und Pflanzen über alles und verbringt viel Zeit in seinem kleinem Garten. Mit einem weiteren Hobby hat er es zu wahrer Meisterschaft gebracht.
Das ist die Holzschnitzerei,mit der er sich,der Familie und seinen Freunden eine in Holz geschnittene Erinnerung an viele schöne Reisen geschaffen hat.
Somit kann Wolfgang Gipser auf ein schönes und erfülltes Leben zurückblicken, und
es ist ihm von Herzen zu wünschen, dass er dieses bei guter Gesundheit noch viele Jahre genießen kann.

Aufgeschrieben von Dieter Horn
im Januar 2012

 
 
 
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